Kocher-Jagst-Radweg

Kocher und Jagst sind zwei mehr oder weniger parallel zueinander verlaufende Flüsse, die nur 2 Kilometer voneinander entfernt nördlich von Heilbronn in den Neckar münden. Die Radwege entlang der beiden Flüsse hat man zu einer Rundtour zusammengefasst, so dass man den einen Fluss runter und den anderen wieder hoch fahren kann. Die Radrunde wurde vom ADFC als ****-Qualitätsradweg ausgezeichnet und steht schon länger auf unserer to-bike-Liste. Die gesamte Runde hat 335 km, lässt sich aber durch etliche Querverbindungen beliebig verkürzen. Und da es eine Rundtour ist, kann man auch an jedem Punkt der Strecke anfangen.

Wir sind in Neudenau an der Jagst, nur ca. 15 km vom Neckar entfernt und wollen zuerst die Jagst hoch und dann den Kocher wieder herunter fahren. Aber erst einmal müssen wir eine Woche auf radelfreundlichere Temperaturen warten denn bei über 35 Grad ist es für solche Aktivitäten zu heiss.

Am 16.8. geht es dann los mit voll gepackten Satteltaschen. Wir werden in einfachen Hotels übernachten, die wir uns unterwegs suchen und das Wohnmobil kann während der Tour auf dem Parkplatz beim Freibad Neudenau stehen bleiben. Am ersten Tag kommen wir nur knapp 25 km weit bis Jagsthausen, denn für den Nachmittag sind schon wieder Temperaturen über 32 Grad angekündigt, die sich dann am Abend auch in Gewitter + Hagel (!) entladen. Jagsthausen nennt sich „Heimat Götz von Berlichingens“, der wohl etliche Jahre seiner Kindheit hier verbrachte. In der Burg Jagsthausen, der „Götzenburg“ tritt an dem Abend eine Abba-Coverband auf, wir gehen stattdessen in den sehr schönen Biergarten beim Roten Schloss und sind rechtzeitig vor dem Gewitter wieder auf dem Zimmer.

Der nächste Tag ist ein Montag, da ist in Deutschland üblicherweise alles geschlossen – wir können also mehr fahren und kommen 71 km weiter bis nach Kirchberg an der Jagst. Dort ist im Schloss ein Bio-Hotel mit Ayurveda-Zentrum untergebracht, aber wir schlafen woanders…

Am nächsten Tag schlägt das Wetter um. Der für den Nachmittag angekündigte Regen setzt schon am Vormittag ein und wir kommen etwas nass in Ellwangen an (42 km). Dort findet gerade die Landesgartenschau 2026 statt, aber bei dem Wetter gehen wir lieber in das Alamannen-Museum. Es sollte das Leben der Menschen auf der anderen Seite des Limes zeigen. Wir fanden es nicht so gut gemacht, es liess etliche Fragen offen… Keine Fragen offen liess der Wirt im griechischen Bistro „Altstadt“, wo wir sehr lecker essen konnten.

Für die letzte Etappe an der Jagst ist das Wetter wieder gut. Bis Lauchheim bleiben wir noch am Fluss und queren den Limes beim Limestor Dalkingen. Hier liess Kaiser Caracalla den antiken Grenzdurchgang 213 n.Chr. nach einem erfolgreichen Feldzug zu einem Triumphportal ausbauen. Die ausgegrabenen Reste sind durch einen Glascubus geschützt und die Ausmaße des Tores hat man durch bemalte Stoffe angedeutet…

In Lauchheim geht es dann hoch auf die Alb zum Schloss Kapfenburg, nicht mit >20% Steigung auf dem geschotterten Radweg, sondern mit 10-11% gemütlich auf der Strasse. Das ehemalige Schloss des Deutschen Ordens beherbergt heute eine Musikakademie und bietet eine fantastische Aussicht!

Nach kurzer Zeit geht es wieder steil runter von der Alb nach Aalen am Kocher. Hier ist es dann wieder unangenehm heiss…

Nach dem ruhigen Jagsttal müssen wir uns an Aalen erst gewöhnen: viel Verkehr, große Gewerbegebiete, durch die wir kommen – aber auch eine sehr schöne Altstadt und das Limes-Museum. Die Römer bauten hier in der Nähe des Limes ein Kastell, das mit über 1000 Reitern das größte Lager am Limes wurde. Das Museum war sehr informativ und gut gemacht! Nach dem halben Tag im Museum wollten wir noch weiter radeln und kamen bis Untergröningen. Dort gibt es die Lammbrauerei, ein Zimmer im Braugasthof und abends als Spezialität „Göggele“…

Der erste Abschnitt am Kocher war ziemlich furchtbar: viel entlang an Strassen mit viel Verkehr, z.t. recht gefährlich ohne Radweg – nichts für Familien mit kleinen Kindern! Ab Untergröningen wurde die Strecke besser, nur das Wetter leider nicht. Wir radeln nur bis Schwäbisch Hall und suchen dort ein Hotel, denn am Nachmittag kam wieder einiges an Regen herunter. Bei Ankunft am Hotel konnten wir noch die Rennradler der Deutschland-Tour sehen, die gerade hier zu ihrer nächsten Etappe gestartet sind.

Schwäbisch Hall ist eine sehr schöne Stadt, wir konnten sie bereits im Oktober 2024 bei besserem Wetter besichtigen. Schöne Bilder gibt es im ->Bericht von damals.

Am nächsten Tag geht es bei recht kühlen Temperaturen und einigen Regenschauern weiter. Wir unterqueren die Kochertalbrücke, die höchste Brücke in Deutschland mit einer max. Höhe von 185 m über Grund. In Künzelsau fahren wir dann hoch nach Gaisbach (ein Ortsteil von Künzelsau), über die „Schiefe Ebene“, eine ehemalige Bahntrasse, geht das recht komfortabel. Oben in Gaisbach sitzt Firma Würth. Aus dem 1945 in Künzelsau gegründeten Schraubenhandel hat sich ein Firmenimperium entwickelt, das heute Weltmarktführer für Befestigungs- und Montagetechnik ist. Beim Firmengelände gibt es zwei bekannte Kunstmuseen und einen Skulpturenpark, und wir haben den Tip bekommen, uns das anzuschauen. Ausserdem bekommen wir in Gaisbach noch eine Unterkunft, während im Kochertal wegen einer Veranstaltung alles voll ist.

Am Sonntag, 23.08. radeln wir unsere letzte Etappe. Das Wetter ist endlich wieder sehr schön und die Strecke ist auch herrlich. Wir nehmen den direkten Weg runter nach Künzelsau, der sehr steil ist. Später kommen wir bei einer Umleitung so hoch auf die Höhe, dass wir von dort aus dann direkt nach Neudenau zum Wohnmobil zurückfahren. Wir verpassen so aber den Rest, den „Neckar-Teil“…

Zurück beim Womo packen wir die Räder wieder ein und fahren noch weiter nach Bad Wimpfen. Den Ort sollte man unbedingt bei einem Besuch dieser Gegend mit einschliessen! Mehr dazu im nächsten Bericht!

Fazit Kocher-Jagst-Radweg: das Wetter hat nicht ganz so mitgespielt und uns oft zu kürzeren Etappen gedrängt. Die Strecke ist sonst sehr schön zu radeln, lediglich der erste Abschnitt am Kocher von Aalen bis ungefähr Untergröningen ist nicht so schön. Die Flüsse sind recht unterschiedlich: die Jagst sehr naturbelassen, wenige Verkehr und viel Natur, romantischer. Das Kochertal ist deutlich belebter, mehr größere Orte und mehr Verkehr. An den Wochenenden war der Radweg stark befahren, vor allem größere Radelgruppen waren unterwegs, unter der Woche war es eher ruhig.


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